Der Weg zum Mandat

 

Aufsichtsrat ist kein Ausbildungsberuf. Darum bringt ein praxisorientierter Ratgeber nun die Anforderungen an Kandidaten auf den Punkt – inklusive persönlichem Projektplan. 

 

Kommentar von Helmut Pöllinger, Geschäftsführer, Brainloop Austria

 

In seinem neuesten Buch mit dem Titel „Wie Sie Beirat oder Aufsichtsrat werden“ beschreibt Rudolf X. Ruter sachlich fundiert die Rolle des Aufsichtsrats und Beirats und den Weg dorthin. Der Text will als Hilfestellung und nicht als Formellehrbuch verstanden werden. Mit seinem reichen Erfahrungsschatz liefert der Autor auch unweigerlich Aha-Erlebnisse. So gelingt es ihm, die Thematik auf kurzweilige Art zu transportieren. Das Buch ist in 5 Kapitel unterteilt. Gleich zu Beginn adressiert Ruter vermeintlich offensichtliche Fragen, die Kandidaten sich vorher stellen sollten, wie: Warum möchte ich Aufsichtsrat werden? Wo will ich Aufsichtsrat werden? Welche Kompetenz steuere ich bei? Der Zeitaufwand dafür werde oft unterschätzt. Häufig entscheiden sich erfahrene Fachleute, die sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen, für eine Aufsichtstätigkeit. Kritisch wird reflektiert, ob daraus nicht schon automatisch eine Schieflage entstehe. Denn die Erfahrungen vergangener Jahre dienten nicht automatisch als Vorlage für sich dynamisch wandelnde Herausforderungen und sogenannte disruptive Innovationen.

 

Der Kandidat und seine Selbstreflexionsfähigkeit

Kapitel B behandelt die fachlichen Qualifikationen, zu der auch zunehmend digitale Kompetenzen zählen, gilt es insbesondere die rechtlichen Rahmenbedingungen zu verstehen und diese reichen von diversen Corporate Governance oder branchenspezifischen Kodizi über Ethik Kodizi oder DIN SPEC Leitlinie bis hin zu Gesetzeskommentaren. An deren Lektüre führt Ruter zufolge kein Weg vorbei. Damit sind die wenigsten Kandidaten aus dem Stand bereits perfekt vorbereitet für ein Mandat. Der Autor verwendet auch breiten Raum für die Darlegung notwendiger Tugenden von Kandidaten, sowie deren Unabhängigkeit und Handhabung bei Interessenkonflikten. Interessant in dem Zusammenhang auch seine Ausführungen zu den Unterschieden zwischen Management und Leadership. Aufsichtsrats- oder Beiratsfunktionen wären eher Berufung denn Beruf. Kapitel C postuliert Unternehmer die Unternehmer überwachen sollten. Vielfach geforderte Berufsaufsichtsräte finden wenig Zustimmung beim Autor, schon alleine weil es kein Ausbildungsberuf sei und eine gemeinsame Augenhöhe der Organe gewahrt werden müsse.

 

Das Kapitel D „Externe Aufmerksamkeitsbereiche“ liest sich ein wenig wie Dr. Ankowitsch`s kleines Konversations-Lexikon der Aufsichtsratsnetzwerke, perfekt recherchiert und kommentiert. Rudolf X. Ruter schließt das Kapitel zum Kandidaten in dem er das Netzwerken als wesentliche Aktivität des Aspiranten erörtert. Viele vom Auto befrage Experten bestätigen die Notwendigkeit sich selbst und seine relevanten Erfolge sichtbar zu machen. Ein genialer Kopf im stillen Kämmerlein wird nicht in einen Aufsichtsrat berufen. Das Kapitel E erspart dem Leser praktisch alle wesentlichen Ratschläge aus den Vorkapiteln selbst zusammenzutragen und präsentiert diese in Form eines Aktionsplans. Wer verstehen möchte ob er oder sie geeignet ist Aufsichtsrat zu werden kann keinen besseren Leitfaden finden! Das Buch bietet auf 132 Seiten einen umfassenden Einblick in das Geschäft von Aufsichtsräten und Beiräten und deren soziokulturellem Umfeld. Ruter vermittelt schonungslos was einen guten Kandidaten ausmacht und was nicht. Das beinhaltet auch Aufforderungen sich eine Reihe von Fragen ganz einer Checklist zu beantworten. So simpel die Methode, so sehr eröffnet sich dem Leser die Erfahrung und Sachkenntnis von Rudolf Ruter. Für den Leser ein unglaublicher Gewinn. Auch hier gilt ein im Buch von Friedrich von Dürrenmatt bemühtes Zitat: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall“. Ruter zufolge erspart es 100 Stunden Eigenrecherche. Ich teile diese Einschätzung und halte den Wert bei weitem zu niedrig angesetzt.

 

Über den Autor

Rudolf Ruter ist ausgewiesener Experte in den Bereichen Corporate Governance, Nachhaltigkeit und Financial Expert im Sinne des deutschen Aktiengesetzes. Er ist Wirtschaftswissenschafter, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.