Kürzlich drängten manche Investoren vehement auf kürzere Amtszeiten. Doch Vorsicht: Allzu schnelle und häufige Wechsel gehen zulasten von Teamgeist und Unabhängigkeit. Was kluge Nachfolgeplanung in Aufsichtsräten ausmacht.

 

Fußballfans kennen das: Wenn ihr Verein in der Sommerpause viele neue Spieler verpflichtet hat, droht ein schlechter Saisonstart. Denn es dauert eben, bis sich Abläufe einspielen und Mannschaftsgeist entsteht. Ähnlichkeiten hierzu gibt es bei der Bildung von Teams und Gremien im Unternehmen.

Dennoch plädieren einige Aktionäre auf häufigere Wechsel in den Aufsichtsräten. Im Vorfeld der Reform des Deutschen Corporate Governance Kodexes (DCGK) im vergangenen Jahr forderten gleich mehrere institutionelle Investoren drei- statt fünfjährige Amtszeiten. Nach Protesten aus den Unternehmen verzichtete die Kodex-Kommission jedoch auf eine solche Empfehlung.

Eine Gruppe von Fondsanbietern aus dem angelsächsischen Raum lässt aber nicht locker und bekräftige im Spätsommer die Forderung. Unternehmen sollten dreijährige Wahlzyklen einführen, hieß es in einem offenen Brief an die Dax-Konzerne. Die Rechenschaftspflicht der Aufsichtsräte sei entscheidend für eine bessere Corporate Governance.

Ziel davon könnte sein, Aufsichtsräte zu disziplinieren und im Zweifel schneller wieder loswerden zu können. Sicher: Das mag in manchen Fällen vorteilhaft sein. Beispielsweise für Aufsichtsräte, die nur ihre Zeit absitzen. Zudem erleichtern kürzere Amtszeiten den Umbau von Gremien, etwa um die Digitalexpertise zu stärken oder auf neue Herausforderungen zu reagieren.

 

Die Waagschale der Aufsichtsratsarbeit

Allerdings sehe ich neben den erwähnten Problemen bei der Teambildung eine weitere Gefahr: Kurze Amtszeiten können die Unabhängigkeit der Aufsichtsräte schwächen. Denn wer sich nach drei Jahren – einige Aktionäre fordern sogar ein Jahr – einer Wiederwahl stellen muss, ist womöglich eher geneigt, im Sinne der Aktionäre zu handeln.

Aufsichtsräte sind aber dem Wohl des gesamten Unternehmens und nicht den Eigentümern verpflichtet. Hier kann es zu Interessenkonflikten kommen, etwa wenn kurzfristig orientierte Investoren zu üppigen Dividenden oder Aktienrückkäufen drängen. Dies funktioniert häufig nur zulasten von Zukunftsinvestitionen. Die Unabhängigkeit der Aufsichtsräte ist deshalb ein wichtiges Corporate-Governance-Prinzip, das niemand leichtfertig aufs Spiel setzen sollte.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass übermäßig lange Amtszeiten ebenfalls zulasten der Unabhängigkeit gehen können – zum Beispiel, weil zu enge Bindungen an Vorstände oder Eigentümer entstehen.

Das Spannungsfeld zeigt, dass es gleich auf mehreren Ebenen das richtige Maß zu finden gilt: Unternehmen brauchen unabhängige, aber rechenschaftspflichtige Aufsichtsräte. Und die Gremien selbst brauchen regelmäßig frischen Wind, aber keine übertriebene Fluktuation. Wie lange ist also die perfekte Amtszeit?

 

Effiziente Nachfolgeplanung im digitalen Zeitalter

Ich bin überzeugt: Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. In Unternehmen mit komplexen Geschäftsmodellen zum Beispiel brauchen Aufsichtsräte viel Zeit, um sich einzuarbeiten – da erscheinen drei Jahre knapp bemessen. Jedes Unternehmen sollte deshalb frei entscheiden können, wie lange Aufsichtsräte amtieren.

Unabdingbar – und ein wichtiger Teil der Lösung des Problems – ist aber eine professionelle Nachfolgeplanung. Denn wenn die Auswahl auf Kandidaten fällt, die ihren Job ernst nehmen und ins Team sowie Kompetenzprofil passen, rückt die Frage nach der optimalen Amtszeit in den Hintergrund. Zudem gilt es, frühzeitig festzulegen, wer am Ende weitermachen oder aufhören soll, damit das Gremium weder erstarrt noch „hyperfluktuiert“.

Die gute Nachricht: Innovative Softwarelösungen erleichtern die sichere Kommunikation innerhalb der Abteilung und unterstützen die professionelle Nachfolgeplanung.

So können Aufsichtsratschefs und Nominierungsausschüsse dank ausgereifter Datenbanken mit wenigen Klicks herausfinden, welche Schwächen ihr Aufsichtsrat mit Blick auf Zusammensetzung und Diversität hat. Hierbei können entscheidende Weichen für eine erfolgreiche Kandidatensuche gestellt werden.

Gute Technik ist also ein entscheidender Erfolgsfaktor – eine weitere Parallele zum Fußball.


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