In unserer Blogreihe zum Thema „Will ich wirklich Beirat oder Aufsichtsrat werden?“ gehen wir, zusammen mit Herrn Ruter, wichtigen Fragen vor Antritt eines Mandats nach. Um Fragestellenden ehrliche Antworten finden zu lassen, bleiben nun noch die letzten zwei wichtigen Detail-Motivations-Fragen zu klären:

Wie will ich als zukünftiger Beirat oder Aufsichtsrat auftreten? & Wer wird mich bei meinem Anliegen unterstützen ?

 

Hinterfragen Sie ihre Motive

Wie will ich als zukünftiger Beirat oder Aufsichtsrat auftreten? Wie sehe ich mich selbst und wie beurteilen andere meine Persönlichkeit? Bin ich geistig, emotional und finanziell unabhängig? Für welche Sinn- und Werte-Orientierung stehe ich? Bezeichnen andere mich auch als tugendhaft und ehrbar?

Welche Beiräte oder Aufsichtsräte kenne ich persönlich gut? Sind das meine Vorbilder? Welche bekannten Mitglieder von Aufsichtsgremien wirken eher abschreckend?

Sinn und Akzeptanz, Struktur und Prozess, Zusammensetzung und Kompetenzen, Aufgaben und Verantwortung von Aufsichtsgremien haben sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert. Der starke Wunsch aller beteiligten Wirtschaftskräfte nach einer good Governance, rückt insbesondere die einzelnen Mitglieder der Aufsichtsgremien in das Licht der Öffentlichkeit. Mit all denen damit verbundenen Reputationsgewinnen und -verlusten.

„Schönheit reicht, um ins Auge zu fallen. Aber man benötigt Charakter, um im Gedächtnis zu bleiben“, formulierte schon die französiche Modedesignerin Gabrielle ‚Coco’ Chanel (1883 – 1971). Persönliche und fachliche Qualifikationen werden gerne in einer Selbsteinschätzung falsch interpretiert. Insbesondere bei den wesentlichen Charaktereigenschaften und Merkmalen wie persönliche Sinn- und Werte-Orientierung sowie der Unabhängigkeit, sollte jeder im Sinne einer Selbstevaluation ehrlich zu sich sein. Sehr hilfreich zur Beantwortung dieser Fragen ist auch die Hinzuziehung eines guten Freundes oder bisherigen Wegbegleiters, der die umfangreichen Anforderungsprofile und Herausforderungen als Beirat oder Aufsichtsrat bereits kennt.

 

Achten Sie auf das richtige Netzwerk

Wer wird mich bei meinem Anliegen unterstützen? Habe ich ausreichende Kontakte in der Welt der Aufsichtsgremien? Sind meine Freunde vielleicht Wettbewerber oder eignet sich jemand sogar als Mentor in dieser Angelegenheit? Glücklich darf sich schätzen, wer hierfür einen Freund bzw. Ratgeber an seiner Seite weiß, der stark und mutig ist, eine evtl. unsichere Eigenevaluation und Selbsteinschätzung aufzudecken und zu korrigieren.

So wie der Kandidat auf der einen Seite sein bisheriges Netzwerk benötigt, so sollte er bei der Nutzung dieses Netzwerks auch Umsicht walten lassen.  So lautet ein deutsches Sprichwort: „Verschweige, was du tun willst, so kommt dir niemand dazwischen“. In der Regel befindet er sich mit seiner Mandatssuche in bester und vor allem zahlreicher Gesellschaft. Es gibt immer mehr Interessenten, die sich als Berater und Überwacher geeignet erachten. Gerade in diesem Bereich führen Wettbewerb und persönliche Eitelkeiten gelegentlich zu gegenseitigem ‚Schön’- und ‚Schlecht’-Reden. Es muss gut bedacht werden, wem man um Unterstützung bittet.

 

Bleiben Sie sich treu

Wenn Sie nun nach dem Lesen dieses und den drei vorher gegangenen Brainloop Blogbeiträgen immer noch Beirat oder Aufsichtsrat werden wollen, gratuliere ich Ihnen herzlichst und respektiere Ihren Mut, der Ihnen dabei hilft, die kommenden Herausforderungen verantwortungsvoll und erfolgreich zu meistern.

Beginnen Sie also mit dem Bau Ihrer ‚Vertrauensbrücken’ zu wichtigen Landmarks in der Beirats- und Aufsichtsratslandschaft. Unterstreichen Sie mit Ihrem vertrauensvollen Verhalten, Handeln und Dialogen Ihre Glaubwürdigkeit. Heute wird in erster Linie nach Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit gefragt. Und in zweiter Linie nach technischer und fachlicher Kompetenz.

Erfahrung und Charakter kommt vor Wissen. Verlässlichkeit strahlt Sicherheit und Sorgfalt aus. Einer verlässlichen Person kann man trauen. Verlässlichkeit lässt sich aber nicht trainieren. Ein Mensch, der wiederholt seine Versprechen nicht gehalten hat, wird seine Versprechen auch künftig nicht halten. Wissen und Leistung kann man kaufen, Leidenschaft und Charakter aber nicht.

 

Der Autor: Rudolf X. Ruter

 

Rudolf X. Ruter ist Experte für Corporate Governance und Nachhaltigkeit, Buchautor und Mitglied in diversen Aufsichtsgremien. Er war Gesellschafter und Geschäftsführer bei Arthur Andersen und baute als Partner bei Ernst & Young den Geschäftsbereich Nachhaltigkeit in Deutschland auf. www.ruter.de

 

 

Mit Plan zum Erfolg

 

Das Buch von Herrn Ruter bietet auf 132 Seiten einen umfassenden Einblick in das Geschäft von Aufsichtsräten und Beiräten und deren soziokulturellem Umfeld. Ruter vermittelt schonungslos, was einen guten Kandidaten ausmacht und was nicht. Das beinhaltet auch die Aufforderung, sich eine Reihe von Fragen in Form einer Checklist zu stellen. So simpel die Methode, so sehr eröffnet sich dem Leser die Erfahrung und Sachkenntnis von Rudolf Ruter – für den Leser ein unglaublicher Gewinn. Das von Friedrich von Dürrenmatt angeführte Zitat fasst das perfekt zusammen: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall“. Ruter zufolge erspart das Buch 100 Stunden Eigenrecherche. Das Buch ist im Erich Schmid Verlag erschienen.

 


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